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Alt sind nur die anderen
So werden wir leben, lieben und arbeiten
von Elisabeth Niejahr

EUR 8,95
brosch., 191 Seiten
Fischer TB 2005
ISBN 3596159415

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»Da haben wir den Salat«
von Dr. Winfried Bachmann

So möchte man die mittlerweile allgegenwärtige Diskussion zur Bevölkerungsentwicklung kommentieren. Wie ein Damoklesschwert scheint das Schrumpfen der Bevölkerung über diesem Land zu schweben, und längst ist aus der Altersdebatte eine Angstdebatte geworden … mit den typischen deutschen Untergangsszenarien.

Sicherlich ist in den vergangenen Jahrzehnten schon viel versäumt worden und damit der Handlungsspielraum möglicher Alternativen immer geringer geworden. Aber heißt dies wirklich, dass wir wie das bewusste Kaninchen auf die Schlange starren und auf den Todesbiss warten? Oder ist nicht eine grundsätzliche (nicht nur chinesische) Erfahrung, dass jede Krise auch Chance bedeutet. Und damit – bei einer nüchternen, konstruktiven und kreativen Betrachtung - auch gute Ansätze möglich sind, um das Bestmögliche aus dem Wandel zu machen?

Die ZEIT-Autorin Elisabeth Niejahr hat den mutigen Versuch unternommen, die gegenwärtige Situation nicht zu beschönigen und dennoch in den zukünftigen Lebens- und Arbeitsentwürfen viele Gestaltungschancen zu entdecken. Sie war es leid, immer nur die Kassandrarufe zu hören: „Ganze Heerscharen von Ökonomen, Soziologen, Psychologen und Statistikern haben versucht, die Kosten zu erfassen. Über die Chancen ist kaum etwas bekannt (S. 35).”

Sicherlich: Die Teufelskreise sind gegeben - und weil Kritisieren und Schwarzmalen nun mal so herrlich leicht gehen, lassen es viele damit bewenden, ihre Ängste und Hilflosigkeit und „was alles sonst noch passieren kann” in immer wieder neuen Variationen zu formulieren, und damit den Glauben an die Zukunft zu untergraben: „Je weniger man alten Menschen und alternden Gesellschaften Innovationen zugetraut werden, desto unwahrscheinlicher werden sie” (S. 39). – „Man traut sich nicht mehr viel zu, weil andere auch nicht viel erwarten. ... Man glaubt den gängigen Klischees über verkalkte, unflexible Alte. Dies führt dazu, dass sich Personen der entsprechenden Altersgruppe alt fühlen und ihre individuellen Reserven nicht genügen reflektieren’, heisst es in der Studie zur Innovationskraft von älteren Beschäftigten” (S. 67).

„Es mag ja sein”, so schreibt Elisabeth Niejahr, „dass alternde Gesellschaften risikoscheu und wenig innovativ sind, dass sie zu wenig Unternehmensgründer hervorbringen und sich mit Sozialreformen schwer tun – aber niemand ist gezwungen, solche Schwächen als gottgegeben hinzunehmen” (S. 11).

Und: „Warum eigentlich soll Lebenserfahrung nicht Konzentration auf Wesentliches erleichtern, statt Passivität und Langeweile hervorzurufen? Mehrere Jahrzehnte Berufserfahrung könnten im Idealfall dazu führen, dass Konflikte nicht etwa generell gemieden, sondern ausgetragen werden, wenn es wirklich lohnt. Und wer schon viel im Leben gesehen hat, könnte besonders gut geeignet sein, oberflächliche Moden von wirklichen Innovationen zu unterscheiden” (S. 42).

Wenn man dieses Buch liest, so wird man immer wieder innehalten und erstaunt feststellen: Ja, genau – so könnte man die Dinge auch sehen - und damit frischen Wind in eine Debatte leiten, die sonst allzu leicht nur grau-in-grau gesehen wird. Die „Teufelskreise” sind vorhanden, aber ob sie wirklich so und nicht anders ablaufen (müssen), das können wir schon beeinflussen. Denn es „gibt das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung, aber auch das genaue Gegenteil: Mitunter treten Prognosen gerade deswegen nicht ein, weil sie ernst genommen werden und menschliches Verhalten ändern” (S. 181).
© Dr. Winfried Bachmann

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